Was passiert eigentlich, wenn du ständig die Gefühle anderer mitdenkst? 🤍

Vielleicht kennst du das: Jemand wirkt plötzlich distanziert, gereizt oder enttäuscht – und schon bemerkst du es. Vielleicht noch bevor dir überhaupt bewusst wird, dass du darauf reagierst.

Habe ich etwas falsch gemacht?
Ist er jetzt sauer auf mich?
Hätte ich das anders sagen sollen?
Was kann ich tun, damit es wieder gut ist?

Die Gefühle anderer wahrzunehmen, ist zunächst einmal nichts Problematisches. Empathie und soziale Sensibilität sind wichtige Fähigkeiten.
Schwierig kann es werden, wenn wir uns nicht nur auf die Gefühle anderer einstellen, sondern zunehmend das Gefühl entwickeln, etwas mit ihnen machen zu müssen.

Und das muss nicht einmal bewusst passieren.

Manchmal lernen wir schon früh, sehr genau auf die Stimmung anderer zu achten. Wir merken, wenn etwas nicht stimmt, passen uns an, werden vorsichtiger oder versuchen, Spannung aus einer Situation zu nehmen. Wenn sich solche Reaktionen über längere Zeit wiederholen, können sie zu einem Muster werden, das irgendwann ganz automatisch abläuft.

Dann kann es passieren, dass wir die Bedürfnisse und Gefühle anderer sehr schnell wahrnehmen – und unsere eigenen dabei kaum noch bemerken.

Vielleicht spüren wir die Enttäuschung des anderen sofort, fragen uns aber erst viel später:
Was fühle eigentlich ich?
Was brauche ich?
Und was möchte ich?

Dabei ist ein wichtiger Unterschied:
Du kannst die Gefühle eines anderen Menschen wahrnehmen, ohne für sie verantwortlich zu sein.
Du kannst verstehen, dass jemand enttäuscht ist.
Du kannst mitfühlen, wenn jemand traurig ist.
Du kannst Rücksicht nehmen.
Und trotzdem kann es schwierig sein, nicht sofort darauf zu reagieren oder die Stimmung wieder ins Gleichgewicht bringen zu wollen.

Denn wenn ein solches Muster lange vertraut ist, lässt es sich nicht einfach durch den Gedanken „Ich bin nicht dafür verantwortlich“ abschalten.
Manchmal beginnt Veränderung deshalb nicht damit, sofort etwas anders machen zu müssen.
Sondern zunächst damit, überhaupt zu bemerken:
„Da passe ich mich gerade wieder an die Gefühle des anderen an – und habe meine eigenen dabei aus dem Blick verloren.“

Allein diesen Unterschied wahrzunehmen, kann schon eine neue Perspektive eröffnen. 🌿 Und von dort aus kann sich Schritt für Schritt etwas verändern – in dem Tempo, das für dich möglich ist.

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Veröffentlicht von Katharina Strätling

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