Warum bringt uns Stress manchmal aus dem Gleichgewicht – und manchmal nicht?


Manchmal können wir viel bewältigen, ohne dass uns etwas aus der Ruhe bringt. Und manchmal reicht eine zusätzliche Belastung, damit uns alles zu viel wird. Woran liegt das?

Zwei Menschen erleben eine ähnliche Belastung und reagieren ganz unterschiedlich. Was der eine gut verkraftet, kann den anderen stark beanspruchen. Das hat nicht einfach mit Stärke oder Schwäche zu tun. Vielmehr spielen verschiedene Faktoren zusammen, die beeinflussen, wie wir mit Belastungen umgehen.

Unsere individuellen Voraussetzungen

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell beschreibt, wie persönliche Voraussetzungen, Belastungen und Schutzfaktoren zusammenwirken.

Wir alle bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Biologische Faktoren, frühere Erfahrungen und erlernte Denkmuster beeinflussen, wie wir Situationen erleben und auf Stress reagieren.

Manche Menschen reagieren beispielsweise besonders sensibel auf bestimmte Belastungen. Andere können vergleichbare Situationen zunächst leichter bewältigen. Das bedeutet nicht, dass jemand schwach ist. Es zeigt vielmehr, dass Menschen unterschiedlich verletzlich sind und unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.

Stress entsteht nicht nur durch große Krisen

Wenn wir an Stress denken, fallen uns häufig große Herausforderungen ein: eine Trennung, ein Verlust, berufliche Probleme oder eine schwierige Lebenssituation.

Doch auch viele kleinere Belastungen können uns Kraft kosten. Anhaltende Konflikte, hohe Erwartungen, ständige Erreichbarkeit, Sorgen oder fehlende Erholung können sich summieren.

Manchmal nehmen wir einzelne Belastungen kaum wahr. Wir funktionieren weiter, erledigen unsere Aufgaben und versuchen, alles unter einen Hut zu bringen. Erst wenn weitere Anforderungen hinzukommen, merken wir, wie erschöpft wir eigentlich schon sind.

Treffen persönliche Verletzlichkeit und hohe Belastungen zusammen, kann unser inneres Gleichgewicht leichter ins Wanken geraten. Halten Belastungen an oder kommen weitere hinzu, kann das auch die Entstehung einer psychischen Erkrankung begünstigen.

Das geschieht nicht zwangsläufig. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren – und dazu gehören auch unsere Schutzfaktoren.

Das Glas als anschauliches Beispiel

Stell dir vor, jeder Mensch hat ein Glas. Dieses Glas steht sinnbildlich für unsere individuellen Voraussetzungen und dafür, wie viel Belastung wir gerade bewältigen können.

Manche Gläser sind größer, andere kleiner. Manche sind bereits gut gefüllt, andere haben noch viel Platz.

Das Wasser im Glas symbolisiert die Belastungen, die wir erleben. Kommen weitere Belastungen hinzu, steigt der Wasserstand. Je weniger Platz noch vorhanden ist, desto eher kann das Glas überlaufen.

Das Beispiel verdeutlicht: Wie viel Belastung wir verkraften, hängt nicht allein davon ab, was gerade passiert. Auch unsere individuellen Voraussetzungen, die bereits vorhandenen Belastungen und die verfügbaren Ressourcen spielen eine Rolle.

Natürlich ist dieses Bild vereinfacht. Menschen sind keine Gläser, und unsere Belastbarkeit lässt sich nicht genau messen. Unsere Voraussetzungen und Ressourcen können sich außerdem im Laufe des Lebens verändern.

Was uns helfen kann, Belastungen besser zu bewältigen

Neben unseren individuellen Voraussetzungen und den Belastungen selbst spielen auch Schutzfaktoren eine wichtige Rolle.

Dazu gehören beispielsweise:

– ausreichend Schlaf und körperliche Erholung
– Menschen, die uns unterstützen und bei denen wir uns verstanden fühlen
– Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
– hilfreiche Strategien im Umgang mit schwierigen Situationen
– Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen und neue Kraft sammeln können

Solche Ressourcen machen uns nicht unverwundbar. Sie können uns aber dabei helfen, Belastungen besser zu bewältigen und mit schwierigen Situationen umzugehen.

Dabei geht es nicht darum, immer alles richtig zu machen oder jede Herausforderung aus eigener Kraft zu meistern. Manchmal besteht ein wichtiger Schritt gerade darin, Unterstützung anzunehmen oder die eigenen Grenzen ernst zu nehmen.

Was bedeutet das für dich?

Wenn dir etwas über den Kopf wächst, musst du dich nicht sofort fragen, warum du nicht mehr schaffst.

Vielleicht lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und anders hinzuschauen:

Was belastet mich gerade wirklich? Welche Anforderungen wirken gleichzeitig auf mich ein? Wo fehlt mir Erholung? Und was könnte mir helfen, wieder mehr Kraft zu finden?

Vielleicht brauchst du eine Pause. Vielleicht Unterstützung. Vielleicht einen anderen Umgang mit deinen Gedanken oder die Möglichkeit, eine Belastung nicht länger allein tragen zu müssen.

Nicht jede Belastung lässt sich vermeiden. Und nicht alles liegt in unserer Hand. Aber wir können lernen, unsere Reaktionen besser zu verstehen und bewusster mit unseren Kräften umzugehen.

Manchmal müssen wir nicht mehr aushalten. Sondern besser verstehen, was uns belastet und was uns stärkt.

Wenn du dich mit deinen eigenen Mustern und Belastungen näher beschäftigen möchtest, begleite ich dich gerne ein Stück auf deinem Weg.

Dein Weg zu dir Selbst🪷
Psychologische Beratung
Intuitiv geführte Lebensberatung
http://www.katharina-straetling.de

VULNERABILITÄTS-STRESS-MODELL VEREINFACHTES BILD

Veröffentlicht von Katharina Strätling

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