Der Hase begegnete dem Fuchs auf einem Waldweg.
âGuten Morgen!â, rief er fröhlich. đ°
Doch der Fuchs schaute ihn nicht an und lief einfach weiter.
Der Hase blieb stehen.
Warum hat er mich ignoriert?
Auf dem Heimweg wurden seine Gedanken immer lauter.
Bestimmt mag er mich nicht mehr.
Habe ich etwas falsch gemacht?
Vielleicht habe ich ihn verletzt, ohne es zu merken.
Je lĂ€nger der Hase darĂŒber nachdachte, desto mehr fĂŒhlten sich seine Gedanken wie die Wahrheit an.
Er wurde traurig.
Dann verunsichert.
Am nĂ€chsten Morgen wollte er den Fuchs begrĂŒĂen. Doch er traute sich nicht.
Wenn er mich sowieso nicht mag, möchte ich ihn lieber nicht stören.
Mit jedem Tag zog sich der Hase ein StĂŒck weiter zurĂŒck. Er wich dem Fuchs aus, vermied den Waldweg und fĂŒhlte sich immer einsamer.
Dabei wusste er gar nicht, ob seine Gedanken ĂŒberhaupt stimmten.
Ein paar Tage spÀter trafen sich die beiden zufÀllig wieder.
Diesmal kam der Fuchs sofort auf den Hasen zu. đŠ
âEs tut mir leid, dass ich neulich einfach vorbeigelaufen binâ, sagte er. âDer Sturm hat meinen Bau beschĂ€digt. Ich habe die ganze Zeit ĂŒberlegt, wie ich ihn wieder sicher machen kann. Ich war so in Gedanken, dass ich dich gar nicht gesehen habe.â
Der Hase spĂŒrte, wie sich all seine Zweifel langsam auflösten.
Und plötzlich wurde ihm klar, dass er die ganze Zeit gegen eine Geschichte gekÀmpft hatte, die nie wahr gewesen war.
đ So Ă€hnlich passiert es auch uns Menschen.
Unser Gehirn möchte uns schĂŒtzen. Deshalb versucht es, Situationen möglichst schnell zu erklĂ€ren. Fehlen Informationen, ergĂ€nzt unser Kopf die LĂŒcken â oft mit Vermutungen.
Das Problem ist:
Aus Gedanken entstehen GefĂŒhle.
Aus GefĂŒhlen entsteht Verhalten.
Wenn wir denken: âEr mag mich nicht.â, fĂŒhlen wir uns vielleicht traurig oder unsicher. Wir ziehen uns zurĂŒck, werden vorsichtig oder gehen auf Abstand.
Und genau dadurch entstehen manchmal MissverstÀndnisse, die es ohne unsere Gedanken vielleicht nie gegeben hÀtte.
Deshalb kann eine einzige Frage so viel verÀndern:
âš WeiĂ ich das wirklich â oder erzĂ€hlt mir mein Kopf gerade eine Geschichte?
Nicht jeder Gedanke ist eine Tatsache.
Und manchmal tragen die Menschen um uns herum ihre eigenen Sorgen â KĂ€mpfe, von denen wir nichts wissen. đż
đ€ Bevor du deiner ersten Interpretation glaubst, schenke ihr einen Moment der Neugier.
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đ Die Geschichte, die sich der Hase erzĂ€hlteđ
